So entstand Pro Natura Aargau

Die Gründung 1954

„Sind Sie gewillt, der Gründung eines Aargauischen Bundes für Naturschutz zuzustimmen?“ Mit der Bejahung dieses Satzes erfolgte am 5. Dezember 1954 im Restaurant Kettenbrücke in Aarau die Gründung des ersten kantonalen Naturschutzbundes.

Auch damals war es nicht leicht

Die damaligen Naturschützer sahen sich mit einer Umweltzerstörung gewaltigen Ausmasses konfrontiert. Es war die Zeit der grossen Infrastrukturbauten und des grenzenlosen Wachstumsglaubens. Das Moderne war gefragt: Autobahnen, Kraftwerke, Industrie- und Wohnkomplexe. Ganze Landstriche und Täler (Reusstal) sollten zu Tode melioriert werden. Die masslose Intensivierung der Landwirtschaft nahm ihren Lauf. Feuchtgebiete wurden in grossem Stil entwässert, Bäche kanalisiert und Landschaften ausgeräumt. Die Bewahrung der Umwelt war damals noch kein Thema. Es gab auch keine gesetzlichen Grundlagen und keine staatlichen Instanzen, die der flächendeckenden Umweltzerstörung hätten Einhalt gebieten können.

Und dennoch…

Und dennoch wehrte sich der damalige ABN erfolgreich gegen diverse Grossprojekte wie den Kraftwerksbau beim Koblenzer Laufen oder die verschiedenen geplanten Staustufen im Reusstal. Auch die Erhaltung der Landschaft um den Hallwilersee ist den Kämpfen des ABN zu verdanken.

Ein Erfolg für den Aargau

Mit der Gründung des ABN begann eine Erfolgsgeschichte, die trotz wiederkehrender Rückschläge seit über einem halben Jahrhundert anhält. In dieser Zeit ist es gelungen, die Naturschutzanliegen bei umweltrelevanten Projekten als beinahe gleichberechtigtes Thema zu etablieren. Die in den 70er- und 80er-Jahren erlassenen Gesetze verbesserten den Naturschutz substanziell.

Die Zeit der Konfrontation

Im Zuge des neuen Baugesetzes revidierten viele aargauische Gemeinden ihre Zonenpläne, was zu einem erneuten, gewaltigen Landverlust durch Neueinzonungen von Bauland führte. Für den ABN war dies die Zeit der politischen Konfrontation mit kantonalen und kommunalen Behörden. In vielen Gemeinden versuchte der ABN mit Einsprachen und Beschwerden schützenswerte Flächen zu erhalten. Vieles ging verloren, Einiges – wie der Geissberg in Ennetbaden – konnte gerettet werden.

Der Eigentümer befiehlt

Um Naturschutzgebiete nachhaltig schützen zu können, muss man Grundstückseigner sein. Diese Erkenntnis hatte sich beim ABN schon in frühen Zeiten durchgesetzt, und bereits Ende der 50er-Jahre wurde mit dem Ankauf von wertvollen und schützenswerten Landparzellen begonnen. Bis 2004 erwarb der ABN, ab 1996 die heutige Pro Natura Aargau, mit Mitgliederbeiträgen und Sponsorengeldern eine Naturschutzfläche von ca. 150 Hektaren. Im Jahr 2010 war die Fläche der Pro Natura-Schutzgebiete auf 200 ha angewachsen. Dies liess unseren Verein zum grössten privaten Landbesitzer im Kanton werden.

In der Kantonsverfassung verankert

Mit der Annahme der vom ABN in Zusammenarbeit mit anderen Umweltverbänden lancierten Auenschutzinitiative durch das aargauische Stimmvolk im Jahre 1993 wurde der Grundstein für den heute betriebenen Schutz grossflächiger Gebiete entlang der Flüsse in unserem Kanton gelegt.

Miteinander geht es besser

Im Laufe der 90er-Jahre verbesserte sich die Zusammenarbeit mit dem Regierungsrat und den kantonalen Stellen merklich. Dass die Umweltverbände frühzeitig in den Planungsstand von Grossprojekten wie dem Bareggtunnel mit einbezogen wurden, führte zu einem engen Vertrauensverhältnis, das bis heute anhält.
Auch wenn das Grundproblem des Natur- und Umweltschutzes, der stetig fortschreitende Verlust an Lebensraum für Tiere und Pflanzen, ungelöst bleibt, kann man doch sagen, dass im Kanton Aargau der Natur- und Umweltschutz partnerschaftlich angegangen wird.

Mit Jägern, Fischern und Bauern am selben Strick ziehen

Zu unseren Partnern zählen heute nicht nur die Umweltverbände, sondern auch die Fischer, Jäger und Bauern. Man redet miteinander, sucht Gemeinsamkeiten und versucht Unterschiede partnerschaftlich anzugehen. Heute haben alle erkannt, dass bei einer Zusammenarbeit mehr für die Natur erreicht werden kann. Bereits realisierte Projekte wie das Foort in Eggenwil, das Wasserschloss bei Brugg oder der Burghang im Schenkenberg sind lebendige Zeugen dieses Erfolgs.

Beweidung macht Schule

Seit der Gründung unserer Tochterfirma creaNatira betreiben wir den Naturschutz auf einem nie gekannten Niveau. Zivildienstleistende pflegen unsere Schutzgebiete. Anstelle von schweren Maschinen halten heute Wasserbüffel, Galloway-Rinder, Schafe, Geissen und Schweine die Vegetation in Schach. Damit pflegen wir nicht nur die Natur, sondern produzieren auf eine nachhaltige Art und Weise hochwertige Fleisch- und Milchprodukte.

Grossprojekte in Planung

In den Startlöchern warten bereits einige Grossprojekte auf ihre Realisation. Die Aue in Rietheim etwa oder die Melioration in Küttigen. Dabei sind wir immer auf Ihre Grosszügigkeit angewiesen. Nicht für uns, sondern vor allem für die Natur im Aargau!

Auszug aus der Jubiläumsschrift von Thomas Urfer, erschienen im Lokal 1/04

Bald 60 Jahre im Einsatz

  • 1954 gegründet als Aargauischer Bund für Naturschutz (ABN)
  • 1996 Umbenennung in Pro Natura Aargau
  • grösste Landbesitzerin im Kanton Aargau
  • lange Tradition
  • kämpferische Dame
Foto des alten und neuen Pro Natura-Logo. Das alte Logo stellt ein Baum am Wasser dar, in dessen Laubwerk drei Sterne als Symbole des Aargaus angedeutet sind.

Schon gewusst...

...dass die Geschäftsstelle der Pro Natura Aargau zuerst im ehemaligen Aargauer Naturmuseum zu Hause war? Mit dem Umbau des Museums zum Naturama zog die Geschäftsstelle 1998 an die Kronengasse 7, 2003 dann an die Asylstrasse 1 und im Januar 2013 an den Pfrundweg 14 in Aarau.
Dort arbeiten wir nun mit creaNatira GmbH, den Aargauer Sektionen von VCS und Birdlife sowie WWF Aargau und WWF Solothurn unter einem Dach.

Die junge Pro Natura Aargau

Gruppenbild des Pro Natura-Aargau Vorstandes
Der Vorstand 1994
Mann, der Äste schneidet.
Auch in den 80er Jahren wurde aktiv gearbeitet.

Unser Dank...

...geht an alle, die uns seit der Gründung unterstützt haben und unterstützen: ehemalige und aktive Vorstandsmitglieder, Regionalvertreter, Mitglieder, Gönner des Club 500+, Umweltschutzorganisationen, Projektpartner, Behörden, Gemeinden, Spender, Gönner und Stiftungen.